Im Verhör: Elke Pistor

(C) Elke Pistor Das lassen sich meine fiktiven Düsseldorfer Kommissare Jo Brunner (KHK) und Frank Nowak (KK) aus „Der Tod der alten Dame“ (E-Book, erschienen bei edition oberkassel, 2012) natürlich nicht entgehen: eine Schreibtischtäterin aus der verbotenen Stadt!

Die in Köln lebende Krimiautorin Elke Pistor befand sich kürzlich im fiktiven Präsidium zum Verhör und hat sich zu den Fragen vollumfänglich eingelassen. Lest hier das protokollierte Geständnis.

* * *

Jo Brunner: Frau Pistor, in der Schreibtischtäter-Szene sind Sie alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Dennoch: Erzählen Sie uns etwas über sich!

Elke Pistor: Vollintegrierte Rheinlandeiflerin, Töchtermutter, Katzenjunkie, notorische Kinogängerin, studierte Kinderquälerin (Pädagogik) Schwedengattin.
Der Letztere ist es auch ‚schuld‘, dass ich zum Schreiben kam. Anlässlich meiner Mist-jetzt-bin-ich-vierzig-Krise wollte ich mir mal etwas Besonderes gönnen. Zur Auswahl standen: ein schwedischer Sprachkurs (um endlich ohne meine Tochter in Göteborg einkaufen gehen zu können) oder ein Kurs für kreatives Schreiben.
Mein Schwedisch ist immer noch auf Köttbullar-Niveau.
Seitdem ist eine Menge passiert. Aus dem Hobby ist unvermittelt ein Beruf geworden. Ich hab gefunden, wonach ich nie gesucht habe und bin angekommen. Das ist eine wunderbare Sache, wenn auch nicht einfach.

Frank Nowak: Die Liste Ihrer „Taten“ ist lang. Wollen Sie nicht reinen Tisch machen?

Elke Pistor: 2009 erschien der erste Kurzkrimi. ‚Für den Wind und die Vögel‘, der gleichzeitig die Geburt meiner Kommissarin Ina Weinz war. Seitdem sind es 17 Kurzkrimis in Anthologien, ein Mystery Thriller um den Kölner Dom und drei Eifel-Krimis. Die Krimis spielen alle in und um meinem Geburtsort Gemünd, der heute mitten im Nationalpark Eifel liegt. Im neuesten Band »Eifler Zorn« gibt es neben dem aktuellen Handlungsstrang einen historischen, der sich mit einem sehr hässlichen Teil der Gemünder Geschichte beschäftigt.
Die nächsten drei Romane warten in den Startlöchern. Für den Herbst dieses Jahres steht »Kraut & Rübchen« an – ein bitterböser und schwarzhumoriger Krimi um eine Journalistin, die entdeckt, dass ihre Ahnin eine ausgesprochen beliebte Massenmörderin war. Im Frühjahr 2014 schicke ich Ina Weinz im Eifler Neid in die vierte Runde und ein Manuskript, das ich gerade beendet habe, ist für Ende 2014 oder Anfang 2015 geplant.
Ich muss also noch ein wenig in die Tasten hauen.

Frank Nowak: Wie gehen Sie vor, wenn Sie eine „Tat“ planen?

Elke Pistor: Die Kurzkrimis sind meist Auftragsmorde. So ein Mord in einem hübschen (Themen-) Umfeld macht sich doch immer gut. In diesen Fällen lasse ich mich von der Aufgabe inspirieren und lasse meinen gemeinen Gedanken freien Lauf. Ich mag die Kurzkrimis sehr. Eine komplette Story auf wenigen Seiten zu erzählen, ist eine echte Herausforderung.
Bei den Büchern ist es meist ein konkreter Auslöser, der den Stein ins Rollen bringt.  Beim Eifler Zorn war es der Abriss eines alten Herrenhauses, den ich zufällig beobachtet habe und bei dem ich dachte ‚Wie klasse, die finden da jetzt eine Leiche.‘ Danach kann ich nicht mehr zurück. Die Geschichte wächst in meinem Kopf, ich brüte, wende und drehe. Irgendwann bringe ich alles auf Postits. Wenn alle Postits wieder weg sind, ist das Buch fertig.
Vor und während des Schreibens recherchiere ich: Vor Ort, mit Fachmenschen und aus Büchern. Das ist einer der Vorzüge unseres Berufes – man wird nicht dümmer dadurch. UND man kann allen möglichen Menschen sehr unkompliziert auf die Pelle rücken, ohne für seine Neugierde seltsam angesehen zu werden.
Bevor ich das Manuskript an den Verlag schicke, muss es noch die Testleserprüfung bestehen. Wenn die erst ihren Senf und dann ihr OK gegeben haben, darf es in die Welt.

Jo Brunner: Was war Ihr bislang größter Coup als Schreibtischtäter? Oder kommt der noch?

Elke Pistor: Für mich ist immer das Buch, an dem ich gerade arbeite, mein ‚größter Coup‘. Ich versuche meine Arbeit ständig zu verbessern, neue Dinge zu lernen. Sowohl was das Schreibhandwerk und die Sprache angeht, als auch mein Wissen zu den Sachthemen.  Ich bin, was das angeht recht gnadenlos und streng und nicht immer nett mit mir selbst.

Frank Nowak: Sie sollen ja auch im Bereich der Mittäter-Weiterbildung aktiv sein. Also raus mit der Sprache: Was machen Sie da genau?

Elke Pistor: Da bin ich gnadenlos, streng und nicht immer nett mit anderen.
Soll heißen, ich habe ein Stück meines alten ‚anständigen‘ Berufes – Erwachsenenbildnerin – herübergerettet und gebe Schreibseminare zum Thema Krimi in Kurz- und Langform. Darüber hinaus biete ich Infos rund ums Thema Lesung »Von Akquise bis Zugabe« und zum Autorenmarketing »Den Baum vor lauter Wald …« an. Diese Seminare  können bei den jeweiligen Veranstaltern oder über meine Homepage gebucht werden. Im April steht zum Beispiel der Vortrag »Von Akquise bis Zugabe« bei der edition oberkassel Akademie in Düsseldorf an.

Jo Brunner: Letzte Frage, Frau Pistor: Sie dürfen 3 Bücher mit in die „einsame Zelle“ nehmen. Welche wären das?

Elke Pistor: Ronald B. Tobias: 20 Masterplots (wegen der Inspiration) ; Otfried Preussler: Krabat (wegen der Sprache und der Poesie); Das große Loriot Buch (das weiß jeder selbst, warum)

Jo Brunner: Okay, Frau Pistor, ich denke, wir haben genug gehört. Das wird für eine Beurteilung als „Patin“ in der Krimiszene reichen. Ihnen blüht sicher „lebenslänglich“. Todsicher.

* * *

Kriminalinski: Der Meinung bin ich auch! Wir alle freuen uns, hoffentlich „lebenslänglich“ spannende Krimis aus der Feder von Elke Pistor lesen zu dürfen. Herzlichen Dank für dieses Verhör und viel Erfolg mit deinen nächsten Projekten, Elke!

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