Im Verhör: Elke Schwab

ElkeSchwabCopyRightElke Schwab ist etwas Großartiges gelungen: sie hat mit einem E-Book-Bestseller einen Verlag gefunden, der ihre Bücher druckt! Davon träumen viele Autorinnen und Autoren – nicht nur im Saarland, von dem Elke übrigens sagt, dass es dort „beschaulich, gemütlich und sicher“ ist.

Sicher?

Todsicher nicht, denn wenn man an Saarland und Krimis denkt, so stößt man unweigerlich auf Spuren von Elke Schwab. Das Saarland ist Elkes Revier und beinah jede literarische Leiche geht durch ihre Hände. Grund genug, die Bestellerautorin zum „Verhör“ zu bestellen.

Elke Schwab gegenüber saß Leo Falk, mein fiktiver Ermittler aus dem Kurzkrimi „Protokoll eines perfekten Verbrechens“, mit dem ich 2013 für den Agatha-Christie-Krimipreis nominiert war.

* * *

Leo Falk: Frau Schwab, in der Schreibtischtäter-Szene sind Sie alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Dennoch: erzählen Sie uns etwas über sich!

Elke Schwab: Ich bin im Saarland geboren und aufgewachsen. Zufällig bin ich auch bekennende Liebhaberin dieses kleinen Bundeslandes. Dort lebt es sich beschaulich, gemütlich und sicher. Als ewige Abenteuererin war es mir vor etwa 12 Jahren ein Bedürfnis, das friedliche Saarland zum (fiktiven) Schauplatz von Verbrechen zu machen, damit der Blutdruck der Saarländer ansteigt und es endlich mit der Ruhe vorbei ist. Zu meiner großen Überraschung konnte ich damit die Bevölkerung begeistern. Sie haben meine Taten gelobt und mich dazu animiert, weitere zu begehen. Also bleibe ich Schreibtisch-Täterin – und das mit Leib und Seele.

Leo Falk: Die Liste Ihrer „Taten“ ist lang. Wollen Sie nicht reinen Tisch machen?

Elke Schwab: Mein erstes Buch habe ich im Jahr 2000 veröffentlicht. Das war ein rasanter, spannender Thriller mit den beiden Kommissaren Lukas Baccus und Theo Borg und hatte den Titel „Tödliche Besessenheit“. Dann folgten acht Krimis aus der Reihe mit Norbert Kullmann, Hauptkommissar a.D. und Anke Deister. Doch wie es der Zufall wollte, bekam ich im Jahr 2010 den Auftrag zum Mord! Das war genau mein Ding! Ich sollte einen Krimi für ein Ebook schreiben. Also erweckte ich Lukas Baccus und Theo Borg wieder zum Leben und ließ sie einen äußerst spektakulären Fall aufklären. Darin treffen Körperteile eines Unbekannten in Postpaketen auf der Polizeidienstelle in Saarbrücken ein. Baccus und Borg müssen zuerst einmal das Opfer identifizieren. Gleichzeitig beginnt einen Wettlauf mit der Zeit, denn das Opfer hat noch gelebt, als die Teile amputiert worden sind.

Dieses Ebook wurde so erfolgreich, dass es zwei Monate lang auf der Ebook-Bestsellerliste auf Platz 1 war. Dadurch wurde ein Verlag auf mich aufmerksam – der Solibro-Verlag  – und machte aus dem elektronischen Buch ein gedrucktes Buch mit dem Titel „Mörderisches Puzzle“. Jetzt bleiben Lukas Baccus und Theo Borg im Einsatz. Sie ermitteln fleißig weiter im mörderisch gefährlichen Saarland. Im Februar 2013 kam „Eisige Rache“ auf den Markt. Und der nächste Krimi ist schon in Arbeit. Auch da ermitteln Baccus und Borg – dieses Mal im größten Landschaftspark der Landeshauptstadt Saarbrücken, im „Deutsch-Französischen Garten“.

Leo Falk: Sie sollen ja vorwiegend im Saarland aktiv sein. Wie gehen Sie vor, wenn Sie eine „Tat“ planen?

Elke Schwab: Obwohl das Saarland ein kleines Bundesland ist, mache ich dort immer wieder neue Entdeckungen. Das zeigt, wie vielseitig und geheimnisvoll es hier ist. Das regt meine Fantasie an, denn die örtlichen Begebenheiten bieten sich zu spannenden Krimis regelrecht an. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum ich so gerne meine Krimis im Saarland ansiedele. Ich kenne nämlich inzwischen einige „Täter/-innen“ aus anderen Regionen und das hat mich dazu bewogen, auch das Saarland als kriminelles Pflaster deutschlandweit bekannter zu machen. Bisher war ich auf mehreren „Kriminellen Vereinigungen“ wie zum Beispiel dem „Syndikat“ und den „Mörderischen Schwestern“ und habe dabei festgestellt, dass das Saarland in der Statistik der (fiktiven) Kriminalität noch viel zu weit hinten liegt. Das möchte ich ändern. Mir liegt sehr daran, die gefährlichen Abgründe der Saarländer mehr in den Blickpunkt Deutschlands zu rücken, damit keiner mehr denkt, wir würden nur gut essen. Oh nein! Der Saarländer muss gut essen, um stark genug zu sein, den gefährlichen Mördern, Henkern und Psychopathen aus meinen Krimis trotzen zu können.

Manchmal schaffe ich es, in einem Jahr zweimal zur Tat zu schreiten, das heißt, zwei Krimis zu schreiben. Jedoch, bevor diese Krimis an den Verlag geschickt werden, lasse ich sie von sogenannten Mittätern/-innen – Beta-Lesern/-innen – auf Herz und Nieren prüfen. Die geben mir auch immer gute Alibis für meine Taten – besser gesagt ihre Kritik zu meinem Werk, damit ich es nochmal überarbeiten kann.

Leo Falk: Haben Sie andere Täter als Vorbild?

Elke Schwab: Ich schaue zu Elisabeth George auf. Sie ist auch der Auslöser dafür, dass ich heute selbst Krimis schreibe. Ihre Werke haben mich nachhaltig fasziniert, dass ich nicht mehr davon loslassen konnte und es irgendwann auch selbst mal mit einem Krimi versuchen wollte. Ansonsten lese ich gern Petra Hammesfahr, die einen äußerst interessanten Erzählstil hat, ebenso wie Sebastian Fitzek. Und immer wieder lese ich gerne Krimis von meinen „kriminellen“ Kolleginnen, den „Mörderischen Schwestern“. Dort gibt es echte Perlen zu entdecken – mal als kleiner Geheimtipp!

Leo Falk: Was war Ihr bislang größter Coup als Schreibtischtäter? Oder kommt der noch?

Elke Schwab: Mein erster großer Coup war das Ebook, das monatelang auf Platz 1 der Ebook-Bestsellerlisten stand und das daraufhin die Aufmerksamkeit eines Verlages auf sich gezogen hat und zu einem Buch wurde.

Mein zweiter großer Coup war der „Saarländische Krimi-Autorenpreis“. In diesem Jahr wurden zum ersten Mal Autorenpreise im Saarland verliehen und ich war die Gewinnerin in der Kategorie Krimi. Das hat mein Herz natürlich höher schlagen lassen.

Und jetzt gestehe ich, dass ich auf einen Coup im Stillen hoffe: Ich wünsche mir, dass der Solibro-Verlag mein Erstlingswerk „Tödliche Besessenheit“ mit Lukas Baccus und Theo Borg neu verlegt! Das wäre der Oberhammer. Denn das ursprüngliche Buch gibt es nicht mehr. Und das Ebook wird jetzt auch vom Markt genommen. Aber viele Leser fragen danach. Außerdem würde ich dieses „erstgeborene Kind“ nicht gerne sterben lassen.

Leo Falk: Wie hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie Schreibtischtäterin sind?

Elke Schwab: Zum Positiven! Ich kann mir die Arbeitszeiten selbst einteilen, arbeite allein, keiner sagt mir, was ich zu tun habe, weil ich das selbst am besten weiß. Am kreativsten bin ich in der finsteren Nacht, weil ich die Dunkelheit und die Einsamkeit liebe. Und meinem Drang zur Wiederholungstäterin kann ich nicht wiederstehen. Ich muss meucheln … das bedeutet, dass es noch weitere Krimis von mir geben wird.

Leo Falk: Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Sie zu Unrecht hier sitzen und wieder frei kämen: Wo würden Sie uns als nächstes wieder über den Weg laufen, Frau Schwab?

Elke Schwab: Mein nächste Lesung findet hier statt:

24. April 2013
Lesung aus „Eisige Rache“
in der
Bibliothek auf dem Umwelt-Campus Birkenfeld
Gebäude 9922
Campusallee
55768 Hoppstädten-Weiersbach
Beginn der Veranstaltung: 17.00 Uhr
Der Eintritt ist frei

Sollten noch weitere Termine folgen, kann man das auf meiner Homepage unter „Termine“ nachsehen.

Ansonsten könnte ich Ihnen im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken über den Weg laufen, weil ich gerade dort – im Geheimen natürlich – mörderisch zuschlage (auf dem PC)

Leo Falk: Okay, Frau Schwab, ich denke, wir haben genug gehört. Das wird für eine Beurteilung als „Schwergewicht“ in der Krimiszene reichen. Ihnen blüht sicher „lebenslänglich“. Todsicher.

* * *

Kriminalinski: Der Meinung bin ich auch! Wir alle freuen uns, hoffentlich „lebenslänglich“ spannende Krimis aus der Feder von Elke Schwab lesen zu dürfen. Herzlichen Dank für dieses Verhör liebe Elke und viel Erfolg mit deinen nächsten Projekten!

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