Im Verhör: Jürgen Flenker

Noch unbekannt und schon geschnappt. Heute erwischt es einen vielversprechenden Krimidebütanten: Jürgen Flenker. Ab jetzt haben wir dich auf dem Schirm, Jürgen!

Im April ist sein Krimi „Ebers Ende“ bei edition oberkassel erschienen. Ich hatte die große Freunde, vorab schon einen Blick hinein werfen zu dürfen. Das hat mir dann so gut gefallen, dass ich gleich meinen Cloppenburger Dorf-Cop Hendrik „Pommes“ Willen auf Jürgen Flenker ansetzte. Der Autor war geständig und sich zu allen Punkten eingelassen.

Hier das Protokoll der Vernehmung:

Jürgen Flenker HP 4

Pommes Willen:  Herr Flenker, in der Schreibtischtäter-Szene waren Sie bislang ein unbeschriebenes Blatt. Daher: Erzählen Sie uns zunächst etwas über sich!

Jürgen Flenker:  Das Licht der Welt erblickte ich 1964 in Coesfeld zwischen Kirchenglocken und Knochenschinken, bin also Westfale. Über uns Westfalen heißt es ja, wir seien reichlich stur und maulfaul. Insofern müsste ich eigentlich die Aussage verweigern, aber wenn man so nett gefragt wird … Also, seit vielen Jahren lebe ich mit meiner Familie in Münster, Deutschlands heimlicher Krimihauptstadt. Geschrieben habe ich schon seit meiner Schulzeit, wirklich ernsthaft aber erst seit dem Studium. Zuerst Gedichte, daneben aber auch Aphorismen, Kurzprosa und Romane. Die Lyrik ist bis heute eine große Leidenschaft geblieben. Hier bin ich in Form von Literaturpreisen wiederholt aktenkundig geworden, z.B. beim Jokers Lyrikpreis, den ich 2010 gewann und beim Münchner Lyrikpreis, bei dem ich 2012 den zweiten Platz belegte. Außerdem entstand 2007 der Gedichtband  „das argument der kletterrosenund“ im Wiesenburg Verlag und 2012 der Kurzgeschichtenband „Aufbrüche“ im Sonderpunkt Verlag.

Pommes Willen: Es gibt noch keinen Registerauszug von Ihnen, Sie haben noch nicht einmal ein Knöllchen wegen Falschparkens bekommen. Wieso wechseln Sie auf die kriminelle Seite?

Jürgen Flenker: Sagen wir mal so: Ich hatte ein Motiv und ich hatte die Gelegenheit. Das Genre hat mich schon immer interessiert, und ich wollte schon seit langem einen Krimi schreiben. Ich wohne recht ländlich in Münsters Norden. Was lag da näher, als einen Blick hinter die Kulissen der scheinbaren Dorf- und Schützenfestidylle zu wagen. Herausgekommen ist mein Roman „Ebers Ende“, der im April in der edition oberkassel erschienen ist. Der titelgebende Eber spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Im Zentrum steht aber eigentlich das Dorfleben selbst mit all seinen Ränkespielen, mit seinem ganze Klatsch und Tratsch und Klüngel, wie das eben ist in so einem Mikrokosmos, in dem jeder jeden kennt. Was passiert, wenn in so eine scheinbare Idylle das Verbrechen Einzug hält, das kann man in „Ebers Ende“ nachlesen. Dabei geht es eher unblutig, dafür aber nicht weniger spannend zu, und das sonst so gemächliche Leben in der westfälischen Provinz gerät ziemlich aus den Fugen …

Pommes Willen: Wie sind Sie bei Ihrer ersten „Tat“ vorgegangen?

Jürgen Flenker: Also die Idee lag praktisch auf der Straße oder besser gesagt: auf der grünen Wiese. Der Roman spielt auf einem Spargelhof. Davon gibt es einige hier in der Gegend, und an denen komme ich regelmäßig auf meinen sommerlichen Rennradrunden vorbei. Bei einer dieser Touren ist mir die Idee gekommen, das könnte doch ein guter Schauplatz für einen Krimi sein. Außerdem hatte das den Vorteil, dass ich quasi vor Ort recherchieren konnte. Viele Schauplätze und Typen, die ich beschreibe, kenne ich so oder so ähnlich aus eigener Erfahrung. Dann hat es allerdings eine Weile gedauert, bis aus der Idee ein Roman wurde. Und dann noch eine länger Weile, bis ich mit der edition oberkassel einen Verlag gefunden hatte, dem Idee und Geschichte gefallen haben und der mir die Chance gegeben hat, sie einem größeren Publikum vorzustellen. Und dann hat es noch eine Weile gedauert, bis aus der Ursprungsfassung das wurde, was es heute ist: Ein Dorfkrimi mit viel Lokalkolorit und Humor, aber auch mit einer spannenden Geschichte, die ohne viel Blutvergießen auskommt.

Pommes Willen: Ist damit zu rechnen, dass Sie zum Wiederholungstäter werden?

Jürgen Flenker: Also, das ist ja bekannt, den Täter zieht es immer wieder an den Ort seiner Verbrechen zurück. Ja, ich plane weitere Taten. Zurzeit arbeite ich wieder an einer Krimiidee. Diesmal verlege ich den Schauplatz allerdings in die Stadt (Ausflüge ins dörfliche Umland allerdings inklusive). Es wird also wieder ein Lokalkrimi, in dem eine bekannte Legende eine Rolle spielt. Mehr werde ich hier ohne rechtlichen Beistand aber noch nicht sagen ..

Pommes Willen: Für den unwahrscheinlichen Fall, wir würden Sie wieder laufen lassen: Wo gehen Sie uns als nächstes ins Netz?

Jürgen Flenker:  Am 3. Mai hatte ich „Ebers Ende“ in einer Lesung im Theaterpädagogischen Zentrum meinem Münsteraner Publikum vorgestellt. Im September geht der Eber auf Tour und wird im Rahmen der Cloppenburger Kriminacht 2013 am 13.9. vorgestellt. Vom Westfälischen ins Oldenburger Münsterland – das passt doch, oder? Die Lesung werde ich übrigens zusammen mit meinem Kollegen Kriminalinski und den Krimi-Cops aus Düsseldorf bestreiten. Das wird garantiert ein mordsmäßiger Spaß!

Pommes Willen: Letzte Frage, Herr  Flenker: Sie dürfen 3 Bücher mit in die „einsame Zelle“ nehmen. Welche wären das?

Jürgen Flenker: Die Frage ist gemein, weil „nur“ drei Bücher die reinste Folter wären. Außerdem kenne ich einfach viel zu viele gute Bücher, um mich da festzulegen. Aber gut, was Krimis angeht, haben mich die Klassiker von Dürrenmatt, vor allem „Das Versprechen“ und „Der Richter und sein Henker“ früh fasziniert. Bei den Gegenwartsautoren muss ich vor allem Wolf Haas mit seinen Brenner-Romanen und Friedrich Ani nennen. Deutschsprachige Gegenwartsautoren lese ich auch außerhalb des Krimigenres gerne – Ralf Rothmann, Klaus Modick, Peter Stamm, um nur einige zu nennen. Alle drei großartige Erzähler, die sich hinter den vielgelobten Amerikanern nicht verstecken müssen. Daneben gehöre ich zu der äußerst seltenen Gattung, die Gedichte nicht nur schreibt, sondern auch liest.

Pommes Willen: Okay, Herr Flenker, ich denke, für´s erste haben wir genug gehört. Lassen Sie mich noch eines zum Abschluß sagen: Wenn Sie so weitermachen, blüht Ihnen sicher „lebenslänglich“ …

* * *

Kriminalinski:  Todsicher, blüht ihm das! Und wir alle freuen uns, hoffentlich „lebenslänglich“ spannende Krimis aus der Feder von Jürgen Flenker lesen zu dürfen. Herzlichen Dank für dieses Verhör, Jürgen, und viel Erfolg mit deinen nächsten Projekten!

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