Im Verhör: Karla Holm

Kriminalinski ist bekannt dafür, auch vorübergehend unbekannte Schreibtischtäter aufzuspüren. Heute stellt sich Karla Holm dem Verhör. Ermittler ist der fiktive Cloppenburger Dorf-Sheriff Hendrik „Pommes“ Willen.

So, Frau Holm, dann nehmen Sie mal Platz …

Foto Karla Holm

Pommes Willen: Frau Holm, in der Schreibtischtäter-Szene waren Sie bislang ein eher unbeschriebenes Blatt. Daher: Erzählen Sie uns zunächst etwas über sich!

Karla Holm: Oh ja, was Bücher angeht, stimmt das! Ansonsten schreibe ich schon viel am Tag. Ich arbeite als PR-Fachfrau, Dozentin und Coach und als Ghostwriter für ein Karriereportal. Ich lebe in meiner Wahlheimat Bonn und bin, wann immer es geht, am Bodensee. Meine Vorfahren mütterlicherseits waren Schweden, daher habe ich mir den Namen Holm ausgesucht, der ein Pseudonym ist. Fachlich schreibe ich schon sehr lange. Jetzt packe ich auch meine Fantasie in Bücher.

Pommes Willen: Es gibt noch keinen Registerauszug von Ihnen, Sie haben noch nicht einmal ein Knöllchen wegen Falschparkens bekommen. Wieso begeben Sie sich dann auf die kriminelle Seite?

Karla Holm: Trägt nicht jeder eine dunkle Seite in sich? *lacht* Nein, im Ernst, und da sind wir auch direkt beim Thema: Bei jeder Tragik mischt sich stets eine Situationskomik mit ein. Genau dieses Zusammenspiel hat mich bei der Geschichte „Stumme Schreie“ gereizt. Diese Tragik-Komik habe ich mit ganz normalem Beziehungsgrusel gemixt. Verstehen Sie, was ich meine? Der mit der und die davor und der andere dann mit der Süßen schon davor und so etwas muss sich doch dann irgendwann mal rächen! Mein Protagonist Martin Meisen, ein smarter Juwelier und Geschäftsmann, lebt in einer großen Villa am Bodensee. Er ist per se schon eine Augenweide. Natürlich ist er verheiratet, mit Clara, aber er ist eben auch ein Mann, der viel herumkommt *räusper*. Die Familienbande, speziell die zu seinem Vater und Seniorchef Kurt Meisen, kann er nicht abschütteln. Und Familie prägt! Neben den Morden gibt’s noch ein paar weitere Verbrechensarten im Krimi. Ich will nicht zu viel verraten, aber wie eine unbescholtene Bürgerin  in einer Notsituation heraus handeln muss … da schwankt man zwischen Sympathie und Ekel. Verbrechen haben wie Lügen kurze Beine. Die Auflösung ist unvermutet überraschend. Die Bodenseeregion habe ich ausgesucht, weil ich diese Landschaft  sehr gut kenne und lieben gelernt habe. Und weil sie traumhaft harmlos ist! Da muss doch mal was passieren!!! Also hat sich Frau Holm dorthin begeben und für ein paar Tote gesorgt. Was mich ebenso reizt ist, dass die Psychologie es bis heute nicht geschafft hat und es eventuell nie schaffen wird, die Persönlichkeit eines Menschen tatsächlich vollumfänglich erklären zu können. Man sieht stets nur bis vor die Stirn, nie dahinter. „Stumme Schreie“ ist das erste Buch, der Anfang einer Reihe mit Martin Meisen. Ehrlich, falls das Buch verfilmt werden sollte, wünsche ich mir Jeremy Irons in der Hauptrolle! Wie ich zum Krimischreiben gekommen bin? Wie die Jungfrau zum Kinde! Auf der Homepage des Deutschen Schriftstellerverbandes hatte ich letztes Jahr die Ausschreibung gelesen: Krimiautoren gesucht. Da hab ich mich beworben. Mein eingereichter Text hat gefallen.

Pommes Willen: Wie haben Sie Ihre erste „Tat“ geplant?

Karla Holm: Also, das war schon unheimlich, das gebe ich ehrlich zu. Zum Schreiben musste ich mich in meine Figuren, auch in die Mörderfigur, hineinversetzen. Vor der ersten Tat hatte ich Hemmungen. Die anderen Morde liefen dann ganz leicht von der Feder. Bei der Ausarbeitung des Exposés hatte ich professionelle Hilfe. Ein bekannter Krimiautor hat mir stets Feedback gegeben, und das nicht zu knapp! Einen Juwelier als Protagonisten zu nehmen fand er sehr charmant. Außerdem gab es das noch nicht vorher. Geschrieben habe ich an allen Tagen der Woche, tagsüber, wenn ich es mir einteilen konnte, und auch sehr viel abends bis in die Nacht hinein. Ich bin da unproblematisch. Schreiben kann ich zu jeder Zeit. Ideen habe ich viele, die kommen einfach so in meinen Kopf. Ich erlebe oft kuriose Dinge, bekomme sie am Rande mit oder sie werden mir erzählt. Da habe ich genug Stoff. Schreibblockaden kenne ich bis jetzt nicht. Ich bin einfach ein Kommunikationsmensch. Wenn ich mal still bin, dann ist in der Tat etwas Furchtbares passiert. Das ich, wenn ich wieder sprechen kann, in Texte umwandle. Das Buch und die ganze Reihe sollten ursprünglich bei einem mittelständischen Verlag aus Stuttgart verlegt werden. Der Vertrag lag vor. Dann kam im Frühjahr die Information: Der Verlag schließt seine Pforten! Das war ein kräftiger Hieb in den Magen, weil ich so viel Zeit und Herzblut in diese Geschichte gesteckt hatte. Dann hat sich aber zu meiner großen Freude und wie durch ein Wunder ein neuer Verlag aufgetan.

Pommes Willen: Haben Sie Komplizen als Vorbilder?

Karla Holm: Meine Vorbilder sind ganz klar die schwedischen Krimiautoren Mankell und Nesser, aber auch die berühmte amerikanische Kollegin Leon. Aus Deutschland ist es Frau Noll. Diese Schriftsteller lese ich sehr gerne, obwohl die schwedischen schon sehr blutig sind. Das brauche ich nicht unbedingt. Die Geschichten gefallen mir, weil sie subtil psychologisch und tödlich gut geschrieben sind, das macht mich an. Außerdem spielen die Geschichten immer in schönen Gegenden, das gefällt mir ebenso.

Pommes Willen: Haben Sie einen weiteren Coup geplant?

Karla Holm: Ja, da ist was in Planung! Der große Vorteil meines Martin Meisen (ich sag schon meiner!) ist, dass er ja viel unterwegs ist, wie oben schon gesagt. Also wird die nächste Geschichte voraussichtlich nicht am Bodensee spielen, auf jeden Fall nicht die Hauptgeschichte. Natürlich muss er mal nach Hause oder so. Außerdem sind aus dem ersten Buch ein paar Fragen offen geblieben, die im zweiten, oder auch erst im dritten Buch aufgelöst werden. Mehr darf ich leider nicht verraten!

Pommes Willen: Gesetzt den Fall, ich würde Sie laufen lassen: Wo würde ich Sie das nächste Mal erwischen?

Karla Holm: Ich werde mich am 08. September gegen 12.00 Uhr im Campus in Köln aufhalten. Genauer gesagt  in der FH in der Claudiusstraße 1. Da lese ich im Schein der Lampe aus „Stumme Schreie“ vor. Weitere Lesungen, auch am Bodensee, sind in Planung.

Pommes Willen: Okay, Frau Holm, ich denke, wir haben genug gehört. Das wird für eine Beurteilung als kommendes Schwergewicht der Krimiszene reichen. Ihnen blüht sicher „lebenslänglich“. Todsicher.

* * *

Kriminalinski: Der Meinung bin ich auch! Wir freuen uns, hoffentlich „lebenslänglich“ spannende Krimis aus der Feder von Karla Holm lesen zu dürfen. Herzlichen Dank Karla für dieses Verhör und viel Erfolg mit den nächsten Projekten!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s