Hartmann – du bist ein Teufelskerl!

„Auf die harte Tour“ von Klaus Stickelbroeck

Rezensiert von Kriminalinski 

Eine durchzechte, wilde Nacht in der Stammkneipe, sicherlich mehr als nur einen Drink zu viel und die falsche Frau erst angegraben und dann mit nach Hause genommen – so beginnt der vierte „Hartmann“, der neueste Krimi von Klaus Stickelbroeck. Wer die vorherigen drei Krimis um den smarten Düsseldorfer Privatermittler Christian Hartmann kennt, der weiß: jetzt hat es der Schnüffler eine Spur übertrieben! Nach den ersten Zeilen ahnt man bereits: es wird heiß für Hartmann. Vielleicht zu heiß. Denn zu allem Übel hatte Hartmann, neben seiner nächtlichen Eroberung, noch einen weiteren weiblichen Übernachtungsgast. Eine Blondine. Und die wird kurz darauf ermordet aufgefunden, mit Hartmanns Visitenkarte in der Tasche. Schöner Schlamassel. Zum einen ist der Kerl der Braut, die Hartmann abgeschleppt hat, der Boss einer Rocker-Gang. Mit Reden hat der es nicht so, er lässt lieber die Fäuste sprechen. Zum anderen ist die Polizei hinter Hartmann her. Hartmann plagt aber auch das schlechte Gewissen. Hätte er der Blondine helfen können? Immerhin hatte sie ihn im Büro aufgesucht. Doch an mehr kann sich Hartmann nach der hemmungslosen Nacht nicht erinnern. Völliger Blackout, Filmriss. Und so nimmt er die Ermittlungen auf. Ehrensache. Doch auf was er sich da einlässt, ahnt er nicht.

Der vierte Hartmann knüpft an einigen Stellen an den Vorgänger „Fischfutter“ an. Herrlich gezeichnete Figuren tauchen wieder auf – Regenrinnen-Rita, Düsseldorfs einzige Rotlichtdame im 2-Meter-Format, hält von oben wie immer die Augen offen und Angie, Hartmanns Kumpel aus dem Drogenmilieu, erweist sich erneut als einer seiner zuverlässigsten freien Mitarbeiter, um nur zwei zu nennen. Der Plot von „Auf die harte Tour“ ist im Vergleich zu seinen Vorgängern noch temporeicher, noch handlungsgetriebener und natürlich viel hartgesottener, ohne an Witz und Charme zu verlieren. Das gefällt mir besonders gut. Der Humor und der Wortwitz, mit dem der Autor auch diesen Krimi wieder würzt, harmoniert auf das Vortrefflichste mit der härteren Gangart, die er einschlägt. Man erkennt zweifelsohne die bewusst gesetzten Hardboiled-Tendenzen: es wird gesoffen, geprügelt, geschossen, verführt, verfolgt, gefangen genommen und befreit. Der Leser weiß nie mehr als Hartmann selbst. Er begleitet seinen sympathischen Helden durch den ganzen Schlamassel und möchte ihm zur Seite stehen oder zumindest den Rat geben: Pass auf, fass das nicht an, du verbrennst dir die Finger! Und rums, es klatscht. Und nicht nur Beifall. Und von allen Seiten dazu. Stickelbroeck lässt seinen Helden – gegen sich und seine Gegner – härter werden. Hartmann nimmt die Gesetze der Straße und des Milieus an, ohne sie freilich zu übertreten. Er ist ganz im Stile seiner berühmten Genre-Kollegen Sam Spade und Philip Marlowe sensibel und bisweilen nachdenklich, aber stets loyal und moralisch integer.

Als bekennender Hardboild-Fan kommen mir die Polizeibeamte zu gut weg. Sie haben Hartmann zwar im Visier, doch längst nicht an den Eiern. Für meine Begriffe hätte mindestens einer von ihnen korrupt sein dürfen, mit der Unterwelt verbandelt. So stünde der Detektiv noch massiver unter Beschuß. Aber das ist Geschmackssache und lässt die Geschichte nicht weniger spannend und actionreich daher kommen.

Für die 266 Seiten bester Krimiunterhaltung gebe ich das volle Magazin an Punktzahl. Und noch 6 Schuss extra für die Hosentasche.

KLAUS STICKELBROECK
Auf die harte Tour
Kriminalroman aus Düsseldorf
Taschenbuch – 268 Seiten ISBN 978-3-942446-37-2 – 9,50 Euro

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5 von 5 Sternen: „Pommes“ auf der Spur von Biogasattacken

Eine Rezension zu „Grüner Tod“ von Torsten Dahle

Als Dorfpolizist ist Kommissar Hendrik Willems immer befangen. Um des lieben Friedens Willens lässt er bei kleineren Delikten Fünfe gerade sein, aber wenn’s um etwas geht, läuft er zu Höchstform auf. In „Grüner Tod“, einem der letzten Kurz-Krimis von Kriminalinski, will er zusammen mit seiner Kollegin Anja Krause aufklären, ob für den Milchbauern Thies Otten Gefahr droht, als der seine zweite Biogasanlage baut.Logisch wird es im Verlauf brandgefährlich und ebenso klar klärt „Pommes“ Willems alles auf. Die Erzählung schildert alle Akteure des Dorfes auf eine letztlich sympathische Art. Der Autor fächert sehr schön das Gemengelage unterschiedlicher Interessensgruppen auf: Der Biobauer mit seiner nicht ganz so umweltfreundlichen Biogasanlage, die Mitglieder der Gemeindeverwaltung, die auf Steuereinnahmen setzen, die Anwohner, die Opportunisten und Ökobewegten. Fast wünscht man sich, dass der Entwicklung dieses Konflikts in der Gemeinde noch mehr Raum gegeben wird. Vielleicht in einer Fortsetzung!?Cool, dass ein junger Autor ein so strittiges Thema unterhaltsam aufarbeitet. Meine Empfehlung: Lesen! Grüner Tod (Kriminalinski)

 
Danke, Torsten!